Bericht Flutkatastrophe, Stand 2. Januar 2022

Die Weihnachtstage waren dunkel in Ahrweiler. Bei einem Spazierganz zum Corona-Testzentrum durch die Fussgängerzone und über den Friedhof begegne ich niemanden. Die Stadt gleicht einer Geisterstadt. Wer die Möglichkeit hatte, über die Feiertage wegzufahren, hat diese wahrgenommen. Es sind noch mehr weg als ohnehin schon. Vor einigen der verlassenen Häuser stehen liebevoll geschmückte Christbäume – Zeichen der Hoffnung?


Hier und da brummen hinter den verbretterten Fenstern Bautrockner, sonst ist es still.


Vor Silvester verabrede ich mich mit Freunden im ehemaligen Kurpark. Hier findet sonst ein Spektakel statt. «Uferlichter» heisst es. Hunderte Menschen drängen sich dann durch den Park, hören Musik, essen und trinken an den zahlreichen Buden und bestaunen die Lichter in Form floristischer Kunstwerke.


Auch in diesem Jahr wollte die Stadt für ihre Bürgerinnen und Bürger etwas machen: ihnen etwas Licht ins Dunkel bringen. Der Kurpark wurde dort, wo er am besten in Schuss war, provisorisch hergerichtet, eine Eisbahn (vor allem für die Kinder) wurde aufgestellt, einige Buden errichtet. Die von der Flut geretteten floristischen Licht-Kunstwerke sollten die altvertraute Atmosphäre schaffen. Weihnachtsmusik aus den Lautsprechern die Herzen anrühren. Rund um das Areal wurde ein Bauzaun errichtet – schliesslich befinden wir uns im Coronazeitalter und da braucht es einen Aus- und Eingang, um die Zertifikate zu kontrollieren.


Wir haben uns getroffen und die gemeinsame Zeit bei einem Glühwein genossen. Es war wie der Eintritt in eine andere Welt. Als wir wieder herauskamen, trafen wir zwei Witfrauen. Wir kamen ins Gespräch. Mit Tränen in den Augen erzählten sie, wie ihre Männer in der Flut ums Leben kamen, vom Schmerz der ersten Weihnacht ohne sie, vom Leben in der Notwohnung. Mit einem Schlag wurde einem die Realität wieder vor Augen geführt  - die Weihnachtromantik des Parkes war verflogen.

Echte Weihnachtsstimmung konnte ich beim Mittagessen im neuen :Kerit-Zelt erleben. Mit einem Christbaum in der Mitte und weihnachtlich geschmückt, wurden hier die Weihnachtserlebnisse der vergangenen Tage solidarisch geteilt. Die Stimmung war echt, nicht künstlich sentimental, aber auch nicht gedrückt. :Kerit war wieder einmal ein «Ort zu Dasein», mit einer Atmosphäre, die den Seelen der Menschen guttut. Das neue  Zelt hat seinen Beitrag dazu geleistet.


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